Auftragsarbeiten: Kunst trifft Kunde oder Mord am künstlerischen Genius?!

Inzwischen bin ich mehrfach gefragt worden, was ich als Künstlerin von Auftragsarbeiten halte – und ich sage jedes Mal: Ich finde das eine tolle Arbeitsweise! Es hießt zwar oft, Auftragsarbeiten und künstlerische Arbeit passten nicht zusammen, das Werk sei ja dann nicht mehr ‚frei‘. Ich empfinde das ganz anders. Nicht nur, dass sich jede Künstlerin und jeder Künstler, der Aufträge nach der Vorstellung eines Kunden entgegennimmt, historisch gesehen in der erlesensten Gesellschaft befindet. Das Arbeiten für eine bestimmte Person kann sicherlich auch sehr spannend und anregend sein und die ganz ‚eigene‘ Arbeit sehr bereichern – abgesehen davon, dass man danach ein Werk in Händen hält, das seinen Liebhaber schon gefunden hat 🙂 Eine Auftragsarbeit eröffnet doch die Möglichkeit, ein Bild zu malen, das 100% zu seinem neuen Besitzer passt, und das ist doch dann etwas ganz Besonderes! Natürlich ist die Art der Zusammenarbeit zwischen Künstler und Auftraggeber abhängig von der Arbeitsweise des Künstlers – und auch von den Kundenwünschen, natürlich.

Da ich jetzt z.B. mit vielen Materialien arbeite, könnte der Kunde z.B. konkrete Angaben zu bestimmten Farben, Materialien oder Themen zu machen. So will eine Kundin vielleicht gern bestimmte Blüten auf dem Bild verarbeitet haben, wünscht sich eine eher lichte oder eine düstere Stimmung. Manche Kunden wünschen sich dazu Figuren, die zu sehen sein sollen oder eher abstrakte Arbeiten mit aufgelösten Formen, oder es existiert schon eine Vorstellung, ob der Trägergrund Büttenpapier und die Arbeit eher Collage oder Leinwand und Acrylmalerei sein soll, oder, oder, oder…

Weitere Variationsmöglichkeiten gäbe es dann bei den Keilrahmen – soll die Arbeit einfach funktional mit Nägeln befestigt sein, so dass der Rahmen das Bild hält, oder soll er aufwändig und wie als Schmuck mit Nägeln ‚gespickt‘ werden? Oder soll die Arbeit einfach ‚lose‘ bleiben und als Leinwandfetzen zu Hause an die Wand? Manchen gefällt gerade das!

Um sicherzustellen, dass die Arbeit entsprechend der Vorstellungen des Kunden ‚gedeiht‘, könnte man während der Entstehung immer wieder Fotos zuschicken, wenn die Grundierung aufgetragen, ein Grundfarbton angeschlagen und das nach Absprache aufgebrachte Material trocken ist. Dann können noch einmal Überlegungen angestellt und Veränderungen in einem gewissen Rahmen vorgenommen werden, denn zu diesem Zeitpunkt ist noch vieles ‚drin‘ – z.B. kann das Farbschema noch einmal verändert oder zusätzliches Material aufgebracht werden, um die ‚Ausgewogenheit‘ des Bildes zu verändern. Ein weiteres Foto wäre dann vielleicht kurz vor Abschluss sinnvoll – dann sind noch einmal kleinere Variierungen möglich.

Bei alldem bliebe aber natürlich zu berücksichtigen, wie der Künstler arbeitet. Ich z.B. arbeite nun vor allem mit Zufallstechniken – ich könnte also keine hundertprozentige Voraussage machen, wie das fertige Bild schließlich aussehen wird. Solche kreativen Arbeiten lassen sich ja bekanntlich nur bis zu einem gewissen Grad ‚beeinflussen‘. Bei allen Absprachen bliebe also auch noch ausreichend Spielraum für Überraschungen – sonst wär’s ja auch zu langweilig 😉

Denkbar wäre dann natürlich auch, dass der Kunde zusätzlich einen bestimmten preislichen Rahmen vorgibt. Darauf könnte man Angaben machen, wie groß und aufwändig das Bild voraussichtlich wird – ich persönlich würde dabei lieber an der Größe sparen als am Material, aber auch das wäre ja letztlich Kundenentscheidung.

In jedem Fall würde ich bei Auftragsarbeiten zumindest eine geringfügige Absprache für sehr sinnvoll halten. Auf Seiten des Künstlers würde dazu das Entwerfen eines Konzepts oder ein paar gestalterischer Vorschlägen auf der Basis der Kundenwünsche sowie ein ‚Kostenvoranschlag‘ zählen – denn letztlich ist das Bild ja für den Kunden, und er soll damit glücklich sein. Er muss sich das Bild ja eine Weile anschauen 😀

Auf diese Weise käme dann der Kunde zu einem Bild, das wirklich sehr persönlich ist, und der Künstler hätte noch immer genügend Spielraum, seine künstlerische Freiheit auszuschöpfen – oder?

Künstler und Kundenwunsch – könnten sie auf diese Weise zusammenfinden? Oder ist die Auftragsarbeit immer auch der Tod der künstlerischen Freiheit 😉

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