Künstlerische Krisen und ihre Überwindung…

Jetzt ist es offiziell: Die kleinen Aquarelle, die „malerischen Graphiken“, waren, was man als „Eintagsfliegen“ bezeichnen kann – sie kommen zwar irgendwie raus, überleben auch eine kleine Weile, aber dann gehen sie ein: Auf diesem Wege komme ich einfach zu keinem befriedigenden Ergebnis – ich doktere stundenlang an den alten Arbeiten rum, ohne dass es zu etwas führt. Deshalb ist die einzig logische Konsequenz: Schluß jetzt. Alles, was ich noch dafür tun kann, ist, sie aufzubereiten, so gut es geht, und sie in Ruhe zu lassen.

Paradoxerweise bedeutet so etwas nicht, daß es keine guten Arbeiten sind – denn das entscheidet sich einzig und allein in der Wahrnehmung des Betrachters, zumindest meiner Meinung nach. Man präsentiert dem Betrachter nicht eine Arbeit, sondern eine Vorlage, eine „Nährlösung“ quasi, anhand der dessen eigene Imagination gedeihen kann. Und daß die „malerischen Graphiken“ dazu in der Lage sind, habe ich in einer Feldstudie bereits herausgefunden 😉 Will heißen: Jeder, der es angeschaut hat, hat eine wundervolle Geschichte darin vorgefunden. Natürlich jeder eine andere. Und das heißt für mich: Sie erfüllen ihren Zweck, und ich kann sie guten Gewissens vorzeigen.

Es heißt aber auch: Wenn ICH daran wachsen will, muss ich andere Wege finden – und zu diesen sind die „malerischen Graphiken“ wie Tor und Schlüssel, also absolut notwendige Wegbereiter. Nur ein anderes Konzept muss her – und das habe ich in der letzten Woche unter künstlerischen Qualen hervorgebracht 🙂 So eine kreative Windstille ist so ziemlich das Schrecklichste, was man sich als Schaffenswütiger vorstellen kann – der Kopf fühlt sich an wie mit flüssigem Stein ausgegossen, tonnenschwer und totenstarr. Man kann nicht anders, als Tag und Nacht darüber nachzudenken, obwohl man einfach nicht vorankommt – und noch ungefähr 1000 andre Dinge zu erledigen hätte, auf die man diese Zeit, die man einfach nur absitzen muss, verwenden könnte…gerade für einen bekennenden Workaholic wie mich schlimmer als chinesische Wasserfolter o.O

Um aus dieser Sackgasse herauszukommen, habe ich ungefähr 3 Sitzungen bei Chefmuse Mellie in Anspruch genommen und überlegt, was ich von meiner Kunst will – und das ist: Ich will eine Geschichte erzählen, Punktum. Ist mir wurscht, ob manchen Leuten das Bild dann zu „voll“ ist, oder zu „aufdringlich.“ Mir doch egal, guckt halt weg. Oder stellt das Bild zu euren Büchern, da ist es zumindest gut aufgehoben. Nun ja, irgendwann ist der Knoten geplatzt, und die „Fetzenbilder“ sind geboren – größerformatige Arbeiten, in denen ich mich an Techniken der Collage versuche, und ich GLAUBE, sie funktionieren. Die Feldstudie steht allerdings noch aus….

Wie immer zeigt sich also im Rückblick: Die Zeit, die von der „künstlerischen Krise“ verschluckt wird, ist gar nicht verschwunden. Sie staut sich bloß auf und entläd sich dann in einem kreativen Urknall. Krisen mobilisieren unglaubliche Energien, eine Binsenweisheit, die jeder Prof jedem Erstsemester im Kunststudium verklickert – nur glauben tut’s erstmal keiner, bis es ihm selbst passiert ist. Und man regt sich trotzdem in jeder Krise wieder unglaublich auf, um danach zum immer gleichen Ergebnis zu kommen: Gut, daß es so gelaufen ist! Bloß muß man es immmer und immer und immer wieder durchmachen….

Was soll’s. Selbstzufriedenheit ist der Tod der künstlerischen Schöpfung. Das ist zumindest ein Trost….