DER ENGELSEHER – in Rohfassung fertig

Soeben habe ich die (vorerst) letzte Zeile meines ENGELSEHERs getippt – in Rohfassung ist das Manuskript jetzt fertig. Die nächsten 14 Tage werde ich in USA sein; der Text bekommt so Ruhe, um ein bißchen „nachzureifen“, und ich kann meinen „Tunnelblick“ ablegen. Danach bleibt mir noch der ganze Mai für die Überarbeitung – da ist natürlich noch einiges an Arbeit drin, und trotzdem ist das Projekt in gewisser weise „fertig.“

Zumindest der Streß von Handlungsentwicklung und erster Niederschrift ist jetzt vorbei – und ich muss sagen, dass ich dieses zweite Stadium des Schreibens immer besonders genieße: Weil sich plötzlich kleine Stränge miteinander verknüpfen, man Motive stärker akzentuieren kann, Doppelungen entfallen. Der Text wird glatter und gewinnt enorm an Atmosphäre und Charakter – aber erstmal ist jetzt Schluß 🙂 Die „Kunst-Pause“ ist dringen nötig…

Vernissage von DÄMMERWELTEN am Sonntag, 10.04.2011

Am Sonntag fand die Vernissage von Lichtspiel – Schattenspiel I: Dämmerwelten statt. Der Aufbau war unkompliziert, das Konzept hatten Ute und ich ja schon lange fertig, und über die Verteilung der Aufgaben waren wir uns auch rasch einig gewesen. Am Sonntag war es dann soweit: Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen eröffnete Prof. Jörg Eberhard unsere Ausstellung mit einer gelungenen Rede, die unsere Gemeinsamkeiten in der künstlerischen Vision, aber auch unsere Unterschiede thematisierte. Einige Sätze haben wir festgehalten, um sie als Charakterisierung unseres gemeinsamen künstlerischen Projektes aufzubewahren. Sie lauteten sinngemäß etwa:

„Ute und Laura sind sich darin so ähnlich, dass sie beide sehr stark auf Literatur reagieren – Ute defensiv, Laura offensiv. Ute verwandelt literarische Vorlagen in Bilder und bringt die Texte so gewissermaßen „zum Schweigen.“ Lauras Bilder dagegen wollen erzählt werden – sie bringt Materialien zum Sprechen. Deshalb verstehen die beiden sich wohl so gut, weil sie das Gleiche auf unterschiedliche Art tun. Und nun lade ich Sie dazu ein, sich auf diese erzählten Welten einzulassen.“

Ich halte diese Schilderung für ausgesprochen zutreffend – und auch für eine gute Einführung von Außenstehenden in unsere Arbeiten. Die Resonanz auf Prof. Eberhards Rede war wieder sehr positiv – immer wieder erzählen mir Besucher, wie wichtig eine Hinführung „von Profihand“ gerade für diejenigen ist, die im Alltag mit Kunst nicht SO viel zu schaffen haben, insbesondere, wenn es nicht gerade um „Rheinlandschaft auf Bütten“ geht.

Ich für meinen Teil wurde dieses Mal sehr intensiv zu meinen Arbeiten gefragt, um Deutungsmöglichkeiten, Erklärungen und Schilderung des Entstehungsprozesses gebeten – das schmeichelt der Künstlerseele natürlich sehr 😉 Über nichts spricht ein Künstler lieber als über sich, seine Arbeiten und seine Weltsicht. Insgesamt also eine sehr, sehr schöne „offizielle“ Eröffnung von Utes und meinem Kunstprojekt. Darin waren wir uns auch einig: „Das machen wir nochmal!“

 

 

Künstlerische Krisen und ihre Überwindung…

Jetzt ist es offiziell: Die kleinen Aquarelle, die „malerischen Graphiken“, waren, was man als „Eintagsfliegen“ bezeichnen kann – sie kommen zwar irgendwie raus, überleben auch eine kleine Weile, aber dann gehen sie ein: Auf diesem Wege komme ich einfach zu keinem befriedigenden Ergebnis – ich doktere stundenlang an den alten Arbeiten rum, ohne dass es zu etwas führt. Deshalb ist die einzig logische Konsequenz: Schluß jetzt. Alles, was ich noch dafür tun kann, ist, sie aufzubereiten, so gut es geht, und sie in Ruhe zu lassen.

Paradoxerweise bedeutet so etwas nicht, daß es keine guten Arbeiten sind – denn das entscheidet sich einzig und allein in der Wahrnehmung des Betrachters, zumindest meiner Meinung nach. Man präsentiert dem Betrachter nicht eine Arbeit, sondern eine Vorlage, eine „Nährlösung“ quasi, anhand der dessen eigene Imagination gedeihen kann. Und daß die „malerischen Graphiken“ dazu in der Lage sind, habe ich in einer Feldstudie bereits herausgefunden 😉 Will heißen: Jeder, der es angeschaut hat, hat eine wundervolle Geschichte darin vorgefunden. Natürlich jeder eine andere. Und das heißt für mich: Sie erfüllen ihren Zweck, und ich kann sie guten Gewissens vorzeigen.

Es heißt aber auch: Wenn ICH daran wachsen will, muss ich andere Wege finden – und zu diesen sind die „malerischen Graphiken“ wie Tor und Schlüssel, also absolut notwendige Wegbereiter. Nur ein anderes Konzept muss her – und das habe ich in der letzten Woche unter künstlerischen Qualen hervorgebracht 🙂 So eine kreative Windstille ist so ziemlich das Schrecklichste, was man sich als Schaffenswütiger vorstellen kann – der Kopf fühlt sich an wie mit flüssigem Stein ausgegossen, tonnenschwer und totenstarr. Man kann nicht anders, als Tag und Nacht darüber nachzudenken, obwohl man einfach nicht vorankommt – und noch ungefähr 1000 andre Dinge zu erledigen hätte, auf die man diese Zeit, die man einfach nur absitzen muss, verwenden könnte…gerade für einen bekennenden Workaholic wie mich schlimmer als chinesische Wasserfolter o.O

Um aus dieser Sackgasse herauszukommen, habe ich ungefähr 3 Sitzungen bei Chefmuse Mellie in Anspruch genommen und überlegt, was ich von meiner Kunst will – und das ist: Ich will eine Geschichte erzählen, Punktum. Ist mir wurscht, ob manchen Leuten das Bild dann zu „voll“ ist, oder zu „aufdringlich.“ Mir doch egal, guckt halt weg. Oder stellt das Bild zu euren Büchern, da ist es zumindest gut aufgehoben. Nun ja, irgendwann ist der Knoten geplatzt, und die „Fetzenbilder“ sind geboren – größerformatige Arbeiten, in denen ich mich an Techniken der Collage versuche, und ich GLAUBE, sie funktionieren. Die Feldstudie steht allerdings noch aus….

Wie immer zeigt sich also im Rückblick: Die Zeit, die von der „künstlerischen Krise“ verschluckt wird, ist gar nicht verschwunden. Sie staut sich bloß auf und entläd sich dann in einem kreativen Urknall. Krisen mobilisieren unglaubliche Energien, eine Binsenweisheit, die jeder Prof jedem Erstsemester im Kunststudium verklickert – nur glauben tut’s erstmal keiner, bis es ihm selbst passiert ist. Und man regt sich trotzdem in jeder Krise wieder unglaublich auf, um danach zum immer gleichen Ergebnis zu kommen: Gut, daß es so gelaufen ist! Bloß muß man es immmer und immer und immer wieder durchmachen….

Was soll’s. Selbstzufriedenheit ist der Tod der künstlerischen Schöpfung. Das ist zumindest ein Trost….