Vorbereitungen für Lichtspiel – Schattenspiel: Malerei rückwärts

Komisch. Ich habe alle meine malerischen Graphiken, die ich Ende letzten Jahres angefertigt habe, von Essen nach Düsseldorf geschleppt (und bei meinen Eltern gebunkert, ist nämlich nur ein Katzensprung bis zum ATELIER IM FRONHOF, wo sie ja hinsollen…) – eigentlich, um sie zu überarbeiten, ich dachte nämlich, die sind alle einfach gräßlich. Ich hatte sie weggesperrt und wollte eigentlich alles nochmal neu machen. Und jetzt hole ich sie hervor, um zu kalkulieren, wie groß der Schaden wirklich ist – und, oh Wunder: Ich find sie gar nicht mehr SO gräßlich.

Eigenartig.

Anscheinend haben sie in meiner Erinnerung ein Eigenleben geführt (naja, Amoklauf trifft’s wohl besser) das ihnen wirklich nicht gutgetan und vor allem: überhaupt nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Kann ich mir nicht erklären. Ist aber so. Umso besser. Dann muss ich bei einigen nur den Rahmen lackieren, und damit in die Ausstellung. Das soll mir mal einer erklären. Dazu sollte es mal ein Seminar an der Uni geben – „Kunst und Krise“ oder so.

Jetzt kann ich also in aller Ruhe die restlichen Graphiken fertig stellen – und ich habe herausgefunden: Ich muss meine Graphiken nicht „vorwärts“ malen, sondern „rückwärts“. Farbe auftragen und dann so lange entfernen, bis es richtig ist – mit Radiergummi, Wasser, weißer Farbe. Die Spuren, die dieser „Erosionsprozess“ auf dem Papier hinterläßt, ist dabei noch das, was mir am besten gefällt – weißes, unversehrtes Papier ist auf penetrante Weise „rein“, da möchte ich immer am liebsten draufspucken. Geht gar nicht. Und paßt nicht zu meinen Thematiken. Eigentlich also arbeite ich nicht durch BildAUFbau, sondern BildABbau – mit Leere statt mit Farbigkeiten. Oder ist die „Leere“ dann die Farbe…?

Mir doch egal. In der Kunst ist zum Glück ja alles möglich. Deshalb ist es auch völlig in Ordnung, „rückwärts“ zu malen. Vielleicht wird’s ja eine ganz neue Stilrichtung…“Reverismus“ oder so ähnlich.

 

NACHTRAG fünf Minuten später: „Reverismus“ ist super! Im Englischen ist „reverse“ rückwärts – im Französischen ist „le rêve“ – der Traum, und was der mit meiner Kunst zu tun hat, steht ja ausführlichst auf meiner Homepage (unter „Kunstbegriff“, für alle, die es noch nicht wissen….).

Noch besser wäre also: „Rêverismus“ ! Vielleicht taufe ich meine „malerische Graphik“ besser um….

Advertisements