Geschichten haben Jahresringe!

Eigentlich seltsam. Ich schreibe schon so lange, daß ich gar nicht mehr weiß, was ich eigentlich vorher mit den ganzen Geschichten gemacht habe, die in meinem Kopf wachsen. Vermutlich sind sie früher oder später sowieso in meinem Gesamtentwurf Juras Lurth aufgegangen…

….wie auch immer. Eigentlich heißt das ja auch, daß ich inzwischen bei weitem genügend Erfahrung mit dem Kreativ-Sein (ich verwende den zamonischen Begriff des ORMEN, nach der STADT DER TRÄUMENDEN BÜCHER) haben sollte, um zu wissen, wie das läuft: Nämlich so, wie es will. Wenn man dafür eigentlich grad keine Zeit hat. Und vor allem nicht so, WIE man Zeit hat, und schon gar nicht so, wie man MUSS.

Das Schreiben – und das Malen auch, im übrigen – ist, zumindest so, wie ich es erlebe, ein ausgesprochen’organischer‘ Prozess, der seinen eigenen Gesetzen und Gezeiten folgt. Mal keimt und sprudelt und blüht und knospt und rankt es, mal ist total tote Hose und Wüste angesagt.

Geschichten – und Bilder auch – haben Wachstumsphasen, da geht alles, und Reifungsphasen, da geht nix. Und jedes Mal ist das Bangen und Bibbern wieder da – wann geht’s denn endlich weiter? Geht es ÜBERHAUPT weiter? Das ist das Allerschlimmste daran…auch wenn es bisher noch immer weiterging, irgendwie, irgendwann. Nur hilft bis dahin kein Ziehen und Stoßen, Betteln und Fluchen, und Zwingen erst recht und vor allem nicht. Bisweilen fällt es mir frustrierend schwer, das zu akzeptieren, denn eigentlich bin ich ein unglaublich produktionssüchtiger Mensch…

Nun ja. Aber, Obacht: Wenn es dann nämlich weiter geht, ist einem auch noch lange nicht geholfen. Denn es keimt und knospt nicht der Reihe nach, wie man die Storyline entworfen hat, und nicht gleichmäßig, sonder mal hier ein bißchen, dann wieder da ein wenig, dann kommt vorn ein Trieb, und hinten stirbt zur gleichen Zeit ein Ast ab. Das Komische ist nur: Irgendwie findet es trotzdem irgendwann irgendwo zusammen, keine Ahnung, wie es das anstellt. Hinterher muss man also nochmal gründlichst drübergehen und den ‚Wildwuchs‘ beschneiden, der bei den Wachstumsphasen entstanden ist – sehr witzig, so hat man quasi ‚Jahresringe‘ in der Geschichte, und kann den Prozess noch einmal für sich nachvollziehen. So lernt man auch eine ganze Menge darüber, wie das kreative Uhrwerk bei einem persönlich tickt!

Soviel also zu -Gezeiten und kreativen Wachstumsphasen. Hab‘ ich übrigens schon von den WachstumsSCHMERZEN erzählt? Nein? Gut, dann verspreche ich, das im nächsten Eintrag nachzuholen…oh ja, Schmerzen SIND das manchmal….

Ein Gedanke zu „Geschichten haben Jahresringe!

  1.  Schöner Artikel…hab ich eben erst entdeckt 🙂
    Ich kann dich verstehen….ich sag nur: Nachts um drei aufwachen, nicht wissen warum man nicht schläft und plötzlich schreiben müssen…gnaa…

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