"In meinem Himmel" – Poesie des Ensetzlichen

Eigentlich finde ich Kino-Rezensionen immer nur bedingt hilfreich; schließlich sieht jeder das, was er sieht. AVATAR bekam in der Sonntagsausgabe der ZEIT nur eine mittelprächtige Kritik – und im Kino stellte sich dann heraus, daß dem Rezensenten offenbar die Aktualität des Themas ‚Avatar‘  und ‚Virtualität‘ entgangen war (vielleicht, weil es irrtümlich oft noch zu sehr nur als Thema der Jugendkultur verstanden wird).

An dieser Stelle geht es aber nicht um diese Regenbogenblüte phantastischen Ideenreichtums, sondern um einen ganz leisen Film – in meinem Stammkino läuft er  bloß an wenigen Tagen der Woche und in der Mittagszeit; deshalb bin ich gestern Abend mit meiner Freundin Nina extra in die Düsseldorfer City gegondelt. Und ich muß sagen: Es hat sich mehr als gelohnt. Von IN MEINEM HIMMEL kann ich jetzt schon sagen, daß er einer der Filme ist, die mich am meisten berührt haben. Diesen Status teilt er sich jetzt mit HINTER DEM HORIZONT, der ihm ganz ähnlich, aber auch wieder grundverschieden ist. Zwar geht es in beiden Filmen um das Leben und das Sterben, aber in HINTER DEM HORIZONT geht es um Freitod; nicht so bei IN MEINEM HIMMEL.

„Mein Name ist Salmon – also Lachs, wie der Fisch! Vorname: Susie. Ich war 14 Jahre alt, als ich ermordet wurde.“

In IN MEINEM HIMMEL inszenieren die Macher (u.a. Peter Jackson und Steven Spielberg: Die Handschrift erkennt man in den Bildern auch gleich) die Geschichte eines entsetzlichen Verbrechens in poetischen wie schrecklichen Bildern. Susie Salmon wird von einem Mann aus ihrer nächsten Nachbarschaft umgebracht – in einem Gelaß, das der ehemalige Schreiner extra zu diesem Zweck unter einem Maisacker angelegt hat; aber Susie stirbt nicht – zumindest nicht ganz: Sie verbleibt in der Zwischenwelt, dem Blauen Horizont, einer Sphäre irgendwo zwischen der Welt der Lebenden und dem Himmel: In ihrem Himmel. Ihr Dasein halb-und-halb führt zu einer beständigen Überlappung der beiden Realitätsbereiche, bildlich brillant umgesetzt, so daß Susie die Ereignisse, die ihr Tod auslöst, beobachten kann: Und es Leute gibt, die bemerken, daß sie nicht ganz fort ist.

Die Liebe ihres Vaters, der sich mit dem Tod seiner Tochter nicht abfinden will (erwähnenswert, daß in diesem Film nicht die Mutter diesen Part übernimmt), ist es, die sie an diesem Ort festhält – und ihre Weigerung, das Ende ihres sterblichen Daseins anzunehmen. So kommt es immer wieder zu flüchtigen, halb wie geträumten Begegnungen der Toten und ihrer lebendigen Hinterbliebenen, die sie wahrnemen können (und wollen).

Die eigentlich enge Verbindung der beiden Reiche entsteht durch die Umformulierung von Details aus dem Leben Susies und ihres Vaters in phantastische Bildwelten: So wandert Susie am Strand eines Ozeans, in dessen Brandung titanische Flaschenschiffe rollen; das Bauen von Flaschenschiffen war ein Hobby, das sie mit ihrem Vater geteilt hat – eine ganz persönliche Version der Zwischenwelt, an deren Erscheinungsbild alle beteiligt sind, die das Verbrechen betrifft – sogar der Mörder selbst.

Eine Zusammenfassung der gesamten Handlung will ich hier nicht geben. Nur so viel sei verraten: Trotz des unendlich traurigen Thema finden sich fröhliche, sogar komische Zwischentöne, und dem Zuschauer bleibt zumindest der Trost, daß der Mörder seine verdiente Strafe erhält – ironischerweise quasi durch seine eigene Hand. Auch für Susies Familie geht es schließlich irgendwie doch weiter – und so auch für sie selbst, und das alles, ohne den Film völlig zu überzuckern. Fazit: Absolutes Must-See!

„Mein Name ist Salmon – also Lachs, wie der Fisch! Vorname: Susie. Ich war 14 Jahre alt, als ich ermordet wurde. Ich war eine Zeitlang hier, und nun bin ich wieder fort. Ich wünsche euch allen ein langes und glückliches Leben.“

Wirklich: poetisch und schrecklich.