Von Geistesblitzen und Wunderkerzen

Oh. Der letzte Eintrag ist ja doch ganz schön lange her. Nun ja – ich bin inzwischen wieder voll in die Tretmühle eingespannt, die letzten Prüfungen für das Erste Staatsexamen stehen an, da bleibt kaum Zeit für irgendwas, was Spaß macht.

Die einzig gute Nachricht ist: Vor zirka 2 Wochen habe ich endlich (wieder) mit NIRGENDLAND begonnen. Ich schreibe erst jetzt davon, weil ich erst jetzt sicher bin, daß es auch weitergeht – die ersten Tage hatte ich mit einer ‚Schreibblockade‘ zu kämpfen, die sich gründlich vorbereitet hatte: Über das ewige Lernen und Prüfungen-Vorbereiten der letzten Monate (und auch dem SunQuest-Projekt, natürlich, das seine Zeit beansprucht hat) hatte ich schlicht und ergreifend den Kontakt zum Text verloren: Ich wußte nicht mehr, wie sich NIRGENDLAND, d.h. Juras Lurth, die Welt und die Figuren in ihr anfühlen, obwohl ich unbedingt schreiben wollte. Ich fand einfach die ‚Tür zurück‘ nicht mehr, konnte nicht mehr sagen, ob das, was ich schrieb, in die Welt paßte oder nicht, welche Wortwahl die richtige gewesen wäre und ob die Szenerie in sich stimmig war.

Es war das erste Mal, seit ich schreibe, daß ich so eine Erfahrung gemacht habe, und ich muß zugeben: Es war einfach grauenhaft. Zwischendurch habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, NIRGENDLAND einfach aufzugeben und mit einem anderen, frischeren Projekt anzufangen. Insbesondere der Anfang hat ‚geklemmt‘ – der Einstig, eigentlich das schlimmste, was einem passieren kann. Sicherlich, zunächst kann man stückeln, Szenen, Dialoge, Details skizzieren, die einfach von selber da und fertig sind – aber das geht nicht für immer. Irgendwann muß man beginnen und sich in den Text ‚reinschreiben‘ – wenn das nicht funktioniert, na, gute Nacht…daran ist vielleicht schon das eine oder andere Talent erstickt. Und bei mir hat es nicht funktioniert. Logische Frage, die irgendwann auftaucht: Hab ich’s einfach nicht mehr drauf? Ist der Text, die Idee, das Konzept einfach Müll? Kann passieren! Lohnt sich die ganze Arbeit eigentlich, oder macht man sich mit dem Text einfach nur was vor?

Solche Gedanken sind wirklich Gift für das Vertrauen in die eigene schriftstellerischen Fähigkeiten, aber ich glaube, kein Künstler kommt drum herum – jeden erwischt es (mindestens) einmal so richtig. Umso besser: Ich hab’s jetzt hinter mir. Und: Ich hab draus gelernt. Aber bitter war es trotzdem. Geholfen hat, was immer hilft: Mit jemandem darüber sprechen, der die Arbeit kennt, von dem man sich Kritik und Anregungen geben lassen kann und will. In meinem Fall ist das, wie immer, die Frau Melanie Philippi (obwohl ich auch meiner Verlegerin eine quengelige e-mail geschrieben und mich ein wenig hab bestärken lassen, muß ich zugeben…). Wir haben über Juras Lurth gesprochen, wie die Welt so ist, über die Figuren, die es gibt, ihre Hintergründe, Motivationen, Gefühle und Geheimnisse, und als ich dann nach später nach Hause fuhr, da, ja: Da war ein winzig kleiner Funken.

Den habe ich dann gehätschelt, gehegt und gepflegt, vieles nochmals durchgelesen von dem, was ich schon geschrieben hatte, von meinen Unterlagen etc. Und irgendwann vorsichtig einen Satz getippt. Noch einen. Noch einen. Dann aufgehört. Am nächsten Tag nochmal drübergelesen. Was gestrichen. Was hinzugefügt. Und am nächsten Tag etwas angefügt…skizziert…und dann kam eins nach dem anderen und verband sich ganz von selbst: Die Tür ist wieder auf! Was natürlich kein Grund ist, sich zurückzulehnen und in Selbstgefälligkeit zu sonnen. Was jetzt kommt, wird harte Arbeit, wie jede künstlerisch Arbeit: Gemacht aus Schweiß, Blut, Schmerz und Tränen, jawohl! Wie meine Frau Verlegerin zu sagen pflegt: Schreiben soll Spaß machen, ist aber keiner! Und das stimmt, verdammt: Schreiben ist Arbeit. Aber wenn man das beim Lesen merkt, ist was schief gegangen. Sind ja tolle Aussichten.

Wieso packe ich nicht einfach meine Koffer und fliege für unbestimmte Zeit in die Karibik? Ganz einfach. Das erste, was ich einpacken würde, wäre vermutlich mein Laptop (sie ist übrigens pink). Und dann würde ich mir zwischen Palmen, Sonne, Strand und Meer ein schattiges Plätzchen suchen und…..SCHREIBEN, verflucht!!! Ich kann’s einfach nicht lassen. Das ist das Problem an der Sache.

In diesem Sinne: Es hat mich. Ich bin verloren. Mit Herrn Falkenhorsts Worten: Hoffnungslos!

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